Voll-analog, polyfon plus ein paar sehr clevere digitale Funktionen – so könnte man den Korg Minilogue schnell beschreiben – wobei man noch dazu sagen muss, dass er deutlich preiswerter ist als andere polyfone Analog-Synthesizer. Auf unserer Concert+Dialogue-Tour spielt der Minilogue eine zentrale Rolle und zeigt immer wieder seine flexiblen Möglichkeiten und tolle Sounds…

Korg Minilogue:
Einfaches Konzept – eine Million Sounds!

Der kleine Synthesizer ist das ideale Gerät für Einsteiger, da er so unkompliziert und einfach zu handhaben ist. Aber auch als Synthesizer-Kenner darf man die Erfahrung machen, dass immer wieder neue Möglichkeiten entdeckt, die im Minilogue schlummern. Als voll speicherbares Gerät mit 200 Preset ist der Korg Minilogue optimal für Live-Keyboarder, die einen kleinen Synth in ihr Setup stellen wollen, mit dem sich überzeugende Leads, Synth-Seqeuenzen, Basslines und aufregende Effekt-Sounds spielen lassen.

Der Korg Minilogue ist ein echter Performance-Synth, der einen zuhause, im Studio und auch live on stage inspirieren kann. Der Schlüssel zu unendlich vielen Synthesizer Sounds ist der einfache Zugang zu den wichtigsten Klang bildenden Funktionen der Synthese. Entsprechend klar und gradlinig ist daher der Aufbau: 2 Oszillatoren, Lowpass-Filter, 2 x Envelope, 1 x LFO – fertig. Jede Sektion aber bietet ausreichend Möglichkeiten, das Klanggeschehen zu variieren. So sind die Wellenformen nicht fix auf Sägezahn, Dreieck und Rechteck reduziert, sondern lassen sich über SHAPE verändern. Der Sägezahn soll weicher sägen, das Dreieck mehr Obertöne bekommen, das Rechteck in der Pulsweite modulieren? Alles kein Problem und doch unglaublich vielseitiger als man es vorher vermutet hätte.

Die Oszillatoren des Korg Minilogue bieten die klassischen Wellenformen Sägezahn, Rechteck und Dreieck.

 

… in der Tat kann der Minilogue wundervolle Flächensounds erzeugen – so kräftig, wohlig warm und butterweich wie man es von einem echten analogen Synthesizer erwarten darf.

 

Minilogue – entdecke die Möglichkeiten!

Was den Minilogue weiterhin ausmacht, ist die Kombination der vorhanden Funktionen. Beispielsweise die Modulation der Oszillator-Wellenformen: Dies kann man via LFO steuern – so entsteht klassische Pulsweitenmodulation, wie man sie gerne für reichhaltige schwebende Pad-Sounds nutzt. Und in der Tat kann der Minilogue wundervolle Flächensounds erzeugen – so kräftig, wohlig warm und butterweich wie man es von einem echten analogen Synthesizer erwarten darf.

Korg Minilogue Filter Sektion
Über den Schalter 2-Pole / 4-Pole kann das Lowpass-Filter des Minilogue in der Flankensteilheit umgeschaltet werden zwischen 12 dB und 24 dB pro Oktave.

 

… mit Cross-Modulation, Sync und Ring-Modulator gibt es gleich mehrere wichtige Oszillator-Modulationen, die klassische und experimentelle Sounds hervorbringen.

 

Ebenso sollte man den unscheinbaren Kippschaltern einen Moment der Aufmerksamkeit schenken, denn hier tun sich jede Menge wichtige Dinge auf – so etwa die Umschaltung der Filter-Charakteristik von 24 auf 12 dB, was für die gerade erwähnten Pad-Sounds nicht ganz unwichtig ist. Auch haben es die Buttons der Oszillator-Sektion in sich – mit Cross-Modulation, Sync und Ring-Modulator gibt es gleich mehrere wichtige Oszillator-Modulationen, die klassische und experimentelle Sounds hervorbringen.

Korg Minilogue Step-Sequenzer
Der 16-Step-Sequenzer des Minilogue is polyphon und ein tolles Groove-Tool für die Live-Jams.

Dann sollte man sich eingehend mit dem polyfonen Step-Sequenzer beschäftigen, der auch 4 Spuren für Parameter-Modulationen bereithält, die man neben Envelopes und LFO für die kontinuierliche Parameter-Animationen nutzen kann.

Random und Sample&Hold

In diesem Zusammenhang zeigen sich wiederum die tollen Kombinationsfähigkeiten des Korg Minilogue. Wer aufmerksam auf die LFO-Sektion schaut, wird sofort eine Random-Wellenform oder Sample & Hold vermissen: Eigentlich gehören Zufall-gesteuerte Modulationen bei einem analogen Synthesizer einfach dazu! Eine Lösung bietet der Motion-Sequenzer, der zunächst Parameteränderungen als kontinuierliche Sweeps wiedergibt, aber man kann diese hohe Auflösung für jede Motion-SEQ-Spur getrennt ausschalten. Das Ergebnis sind mit jedem Sequenzer-Step treppenförmig ausgegebene Parameterwerte. Es ist natürlich nicht das Gleiche wie Sample & Hold, klingt aber sehr ähnlich. Bezogen auf gleichförmig gerade Taktzahlen kann dann noch eine ungerade Step-Anzahl wählen (13 oder 15) und schon wird die zyklische Wiederkehr des Modulationsmotivs von einem 4-on-the-floor-Schema abgekoppelt.

 

Highpass-Filter im Minilogue

Und wenn wir schon dabei sind: Gehört zu einem analogen Synthesizer nicht auch ein Highpass-Filter, der es ermöglicht, tiefe Frequenzen abzuschneiden? Na klar. Man sieht es nicht auf den ersten Blick, aber der Minilogue kann auch das! Nämlich befindet sich in der Analog-Delay-Sektion ein Highpass-Filter, das sich je nach Bedarf vor das Delay oder in die Feedback-Schleife schalten lässt. Erstere Variante ist hier die richtige, denn es wird der komplette Sound vor dem Delay beeinflusst – und da das Delay die letzte Sektion in der Signalbearbeitung ist, klingt das Ganze wie ein klassischer Highpass.

Concert & Dialogue mit dem Minilogue

Im Live-Setup der Concert & Dialogue-Tour ist der Korg Minilogue gerade wegen seiner vielseitigen Einsatzmöglichkeiten die optimale Ergänzung der vielen anderen analogen Synthis und Grooveboxen. Und nicht selten war der Minilogue die Inspiratonsquelle für einen kompletten Track. Im Setup der Tour liefert der Minilogue sehr viele kleine Sequenzen – angefangen von Bass-Lines über klassische Mono-Synth-Sequenzen, funky polyfone Grooves bis hin zu sehr atmosphärischen, ja sogar sehr deepen Soundscapes, die sich über die Zeit entwickeln.

 

Korg Minilogue als MIDI-Clock-to-Sync-Interface

Im Sync-Verbund mit den anderen Synthis zeigt sich gleich ein weiteres Mal die große Flexibilität des Korg Minilogue. Der Synthesizer selber wird per MIDI-Clock gesynct, während die weiteren Sequenzer der Volca-Geräte und der Korg SQ-1 über die analoge Sync-Leitung vom Minilogue versorgt werden – das Sync-Signal wird einfach von einem Gerät zum nächsten über Sync-Out weitergereicht. Diese Verknüpfung hat zwar den kleinen Nachteil, dass die Geräte, die per Sync-Leitung verbunden sind, nicht per Start/Stop-Befehle gesteuert werden können. Der große Vorteil ist dabei aber die Möglichkeit, Volcas und SQ-1 individuell zu starten, sodass man die Elemente des gesamten Tracks nach und nach hinzuschalten kann. Außerdem kann man auf diese Weise Sequenzen unabhängig von der gemeinsamen MIDI-Clock-Eins an beliebigen Taktzählzeiten einstarten – manchmal geht das schief, manchmal ist’s genial, weil man ansonsten einfach nicht drauf gekommen wäre:-)

Tipp: Worauf man unbedingt achten sollte in so einem Sync-Verbund: Das analoge Sync-Signal kann in zwei Versionen genutzt – mit positiver oder negativer Spannung des Sync-Pulses. Das lässt sich bei den Volcas und auch beim Minilogue einstellen. Per Default ist bei allen Geräten „High“ (beim Minilogue heißt es ‚Rise’) eingestell. Wichtig ist, dass alle Geräte die gleiche Sync-Einstellung nutzen.

Klangerzeugung: minimalistisch und effizient

Der Korg Minilogue ist grundsätzlich wie ein klassischer Analog-Synthesizer aufgebaut, hat aber in jeder Sektion kleine Extras zu bieten, um das Beste herauszuholen. Eine regelrechte Min/Max-Situation: Der klare Aufbau gewährt einen schnellen Zugriff auf alle wichtigen Funktionen, keine komplizierten und detaillierten Funktionen versperren den Weg – es zählt der Klang, den man auf intuitive Weise schnell beeinflussen und mit dem gewünschten musikalischen Ausdruck spielen kann. Das spielerische Element steht hier ganz klar im Vordergrund. Dabei spielen analog und digitale Technik optimal zusammen. Da die Regler digital abgetastet werden (ist für die Speicherung Voraussetzung), wird der Wert des aktuell bewegten Parameters im Display angezeigt – sehr komfortabel, um z.B. die Oszillatoren des Minilogue in Stimmung bzw. Intervallen einzustellen. Ganz anders als beim Odyssey, wo man ohne externes Stimmgerät einfach aufgeschmissen ist.

Korg Minilogue top view
Klassisches Analog-Synth-Layout mit vielen modernen Möglichkeiten

Die Oszillatoren lassen sich anteilig im Mixer regeln, wo auch ein Regler für Noise vorhanden ist. Das Lowpass-Filter lässt sich über den großen Regler bequem in der Cutoff Frequenz regeln. Die Zusammenhänge zwischen Cutoff-Frequenz und Resonanz bleiben über den gesamten Frequenzbereich konsistent, man muss keine dramatischen Lautstärkesprünge bei Filter Sweeps befürchten. Bei allem, was man sich an dem Synthi zusammenschraubt muss man feststellen, dass der Minilogue einen angenehmen Sweetspot besitzt. Man kann sehr weite Klangfahrten schrauben, und immer klingt’s gut – das trifft nicht unbedingt für jeden Synthesizer zu.

Synth-Chamäleon:
Die Voice-Modes des Korg Minilogue

Die Klangerzeugung des Minilogue ist nur die eine Seite – mindestens ebenso wichtig an diesem Synthesizer sind sein Voice-Modes, mit denen sich die polyfone Struktur und das Klangverhalten dramatisch ändern kann. Im POLY-Betrieb lassen sich vier Stimmen mit je zwei Oszillatoren als Akkorde spielen. Ja, ein klassischer polyfoner Synthesizer eben würde man sagen. Aber es gibt hier den unscheinbaren Regler ganz rechts: VOICE MOD DEPTH, der in jedem Voice-Mode ganz bestimmte Funktionen steuert. Im Poly-Mode etwa kann man damit die Umkehrungen eines gehaltenen Akkords umschalten. Eine tolle Art, Pad-Sounds zu variieren – gibt’s übrigens nur beim Minilogue!

Korg Minilogue Voice Modi

Bei UNISONO hören wir dann alle vier Stimmen gleichzeitig auf einer gespielten Taste: 4 x 2 Oszillatoren, die man über den Voice-Mode-Regler in der Verstimmung regeln kann. Krasser, fetter …Hoover! Bei MONO wird der Minilogue nicht einfach nur monofon – auch hier kommen die vier Stimmen ins Spiel, die über den Voice-Mode-Regler als Sub-Oszillatoren in oktavierter Form den Sound immer fetter werden lassen – das gefällt mir sogar noch viel besser als der Unisono-Mode. Der Sound halt nicht so typisch nölig wie bei Unisono, sondern bleibt konkret und in den Attacks klar konturiert.

Die Sektion Voice Mode sollte man bei allen Sounds, einfach mal durchprobieren. Sehr oft bekommt man dabei wieder eine ganz neue Idee durch eben die andere Darstellung eines Sounds.

Gib deinem Sound Groove!

Step-Sequenzer und Arpeggiator machen den Sounds Beine. Damit macht’s doch gleich noch mehr Spaß – und auch hier lassen sich die einzelnen Sektionen miteinander Gewinn bringend kombinieren. Es ist kein Problem – Step-Sequenzer und Arpeggiator gleichzeitig zu nutzen.

Den Step-Sequenzer kann man Schritt für Schritt mit Noten füttern, was nicht über Regler geschehen muss, aber machbar ist. Um aus dem Nichts heraus mit einer Sequenzer-Linie zu starten, wählt man einfach den Step an, drückt eine Taste auf der Tastatur (oder mehrere Tasten – der Sequenzer ist polyfon!), Pausen werden über den Button REST eingegeben. Man kann über das Display die Notendauer einstellen oder auch zwei aufeinanderfolgende Steps mittels Tie verbinden – wichtig für TB-303-ähnliche Basslines.

Man kann aber auch bei laufendem Sequenzer auf REC drücken und live einspielen, mittels REST wieder Steps löschen und solange Noten und Reglerbewegungen als Overdubs aufnehmen, bis man den richtigen Groove gefunden hat. Anschließend kann man wiederum die einzelnen Steps über das Display editieren. Gerade beim Jammen mit anderen Musikern ist das ein klasse Feature.