Effekte sind ein wichtiges Element von Synthesizer Sounds. Ganz klassisch gehören gerade bei Analog Synthesizern Standards wie Delay/Echo und Reverb dazu, um den Sounds zusätzlich Dimension zu verleihen. In unserem Live-Setup der Korg Concert & Dialogue Tour setzen wir ein – wenn man so will – sehr simples Set an Effekten ein. Der Korg Minilogue ist dabei fest mit dem Korg KAOSS Pad 3+ verbunden, das als dynamisches Multieffektgerät und außerdem als 4-Spur-Looper bei allen Performances eingesetzt wird.

Performing FX mit Minilogue und KAOSS Pad

Eigentlich wurde das KAOSS Pad als DJ- und Producer-Tool konzipiert – erkennen kann man das an den Cinch-Ein- und Ausgängen. Aber das sollte kein Grund sein, es für die Kombination mit Synthesizern außer Acht zu lassen – man braucht eben entsprechende Adapterkabel von Cinch auf Klinke wie man sie in jedem Musikgeschäft bekommen kann, und es lässt sich problemlos für Line-Pegel von Synthesizern einrichten.

Es ist für die Live-Performance geradezu prädestiniert, da sich die Effektprogramme dynamisch über das Touchpad kontrollieren lassen. In Verbindung mit dem KORG Minilogue ergibt sich ein ideales Gespann, denn beide Instrumente ermöglichen den intuitiven und spontanen Zugriff auf den Sound. Man wischt über das Touchpad und landet mit einem Schwenk in einer komplett neuen Klangwelt. Neben klassischen Effekten hat das KAOSS Pad 3+ viele neuartige und immer wieder überraschende Sounds parat wie z.B. Granular-Effekte, Distortion, diverse Filter, Loop-, Pitch-Effekte für trashiges Sample-Shreddern. Der Kick daran sind aber die überlagerten Effekte, die sich jeweils in zwei Parametern über die Touch-Oberfläche manipulieren lassen – die KAOSS Pad Effekte kann man spielen!

Korg Kaoss Pad KP3+

Sound-Swirl

Dass man die Parameter-Zuordnung der Pad-Oberfläche und auch die Effekt-Kombinationen nicht beeinflussen kann, ist zwar schade, aber es hat mich bisher nie gestört. Es gibt wirklich sehr viele Varianten der Effekt-Kombis und die Effekte sind in der Tat höchst geschmackvoll programmiert worden. Ich glaube hier findet jeder seine Favoriten, die man schnell auf die acht Bank-Taster speichern kann, sodass man die wichtigsten Effekte auf Knopfdruck am Start hat. Ich nutze diese auch als Orientierung in den zahlreichen Presets. Ich wähle z.B. meinen gespeicherten Favorite-Reverb an und kann mit dem Regler oben rechts schnell mal ein anderes Reverb-Programm wählen.

Apropos Reverb: Das KAOSS Pad ist für dynamische Effekte gemacht. Aber wenn man einen Effekt dauerhaft haben möchte – bei einem Reverb kann das ja schon mal sein -, dann schaltet man einfach die Hold-Taste ein und sucht sich über Touch-Oberfläche eine Position aus, bei der Effektintensität und Halldauer okay sind. Aber es macht total Spaß, einen Reverb mal kurz über die das Pad anzutippen, um kurze Impulse in den Hall zu schicken. Mein Favorit, der bei unseren Concert & Dialogue-Sessions immer wieder für ein Wow! sorgt, ist Reverb 2. Damit kann man einen Ton einfangen, um ihn dann dann als Endloshall durch ein Highpass-Filter zu wischen – absolut sensationell.

Alles in time, alles in Sync

Ein weiterer Vorteil für die Live-Performance ist, dass alle Effekte timing-basiert sind. Das KAOSS Pad lässt sich per MIDI-Clock synchronisieren oder man gibt einfach die BPM ein, was auch ganz intuitiv über eine TAP-Funktion geschehen kann. Gerade bei der Live-Performance ist es wirklich praktisch, wenn man sich um das Timing von Delays nicht kümmern muss, insbesondere dann, wenn man schnell zwischen verschiedenen Programmen umher schaltet. Und sollte man dennoch das Verlangen spüren, dass Delays im Timing etwas daneben sind, dann tappt man einfach nur ein bisschen langsamer. Sobald das Tempo etwas abweicht, laufen Delays dann ein wenig weg – auch ein schöner Effekt, der einen etwas dubbigen Touch hat. Klingt super, wenn man es nicht zu sehr übertreibt.

Looper mit vier Sampling-Spuren

Diese Funktion setze ich bei unseren Konzerten sehr oft ein, denn aus dem vierstimmigen Minilogue kann ich so noch viel mehr machen. Es ist eine hervorragende Möglichkeit, atmosphärische Loops zu schichten oder Sequenzen aufzunehmen, um sogleich mit dem Minilogue den nächsten Sound, die nächste Sequenz zu gestalten, erneut aufzunehmen in einer weiteren Spur usw. Allein mit dem Minilogue und dem KAOSS Pad ist man in der Lage, einen kompletten Track live zu entwickeln.

Was ich sehr gerne einsetze ist das Resampling im KAOSS Pad: Dabei werden auch die intern erzeugten Effekte in der Sampling-Spur mit aufgenommen – somit also immer die komplette Performance von extern zugespielten Sounds, intern laufenden Loops und den vom KAOSS Pad erzeugten Effekten. Ich nutze das, um von einer Minilogue-Sequenz eine verfremdete Variante zu erstellen, die dann parallel mitläuft oder eine weitere dynamische Ebene im Arrangement des Tracks erzeugen kann, indem ich diese hinzu- und wieder wegschalte. Man muss mit diesem Setup schon ein bisschen üben, bis man eine flüssige Performance aus dem Ärmel schütteln kann, aber eigentlich ist es kinderleicht, mit dem KAOSS Pad zu spielen. Keine Funktionen versperren einem den Weg zum Sound. Einfach drauflos schrauben und gut.

Sample-Loops variieren und Slicing-Tricks

Beim Live-Spielen nutze ich vorwiegend die ganz einfachen Funktionen, die man unmittelbar an der Oberfläche im Zugriff hat. Auch das Loopen von Sequenzen oder beliebig live gespielten Motiven ist sehr einfach: Man aktiviert die Sampling-Funktion, stellt die Länge ein zwischen 4/4 (Takt) und 16/4 (vier Takte) und startet die auf Aufnahme, indem auf eines der vier Sampling-Pads haut. Ist die Aufnahme abgelaufen schaltet das Loop automatisch in die Wiedergabe. Währenddessen kann man die Effekte performen oder sich auf das Tweaken der Sounds konzentrieren, wenn man Klangverläufe aufnehmen möchte.

Darüber hinaus aber hat das KAOSS Pad 3+ noch einige Bearbeitungsfunktionen am Start, mit denen man die Samples kreativ manipulieren kann. Da die Aufnahmen sich an der MIDI-Clock bzw. dem eingestellten Tempo orientieren, lassen sich die Samples in timing-genaue Fragmente zerlegen und in der Abspielreihenfolge variieren. Auch das ist eigentlich sehr praktisch gelöst: Die Sample-Slices lassen sich über die acht Memory Taster nun ein und ausschalten. Wenn man ein Sample-Abschnitt herausnimmt, entsteht keine Lücke, da die verbleibenden Samples nun verschoben werden. Es entstehen so völlig neue rhythmische Muster und Variationen des ursprünglich aufgezeichneten Loop – auch das kann man sehr einfach spielerisch einsetzen und kann schnell zu neuen Ideen inspirieren.