Der KingKorg ist offenbar ein Synthesizer, der von vielen unterschätzt wird, denn ein so großer Verkaufserfolg wie viele andere aktuelle Korg Synthesizer wurde er zumindest nicht – möglicherweise lag es am Champagner-farbenen Outfit. Vielleicht aber ging der KingKorg auch in der Bugwelle der damals zeitgleich erschienen Top-Geräte Korg Kronos und MS-20 etwas unter. Absolut schade für diesen eigentlich tollen Synthesizer. Denn der KingKorg klingt als Analog-Modeling-Synthesizer sehr fett und hat dabei deutlich mehr unter der Haube als Sägezahn & Co.

Nun legt Korg den virtuell-analogen Synthesizer noch mal auf. Neuer Look, neue Chance. In schick dezentem schwarz wird er sicher vielen Elektronik-Musikern rein optisch besser gefallen. Geblieben ist die Bedienfeldbeschriftung in goldenen Lettern, was neben meinem Arp Odyssey Rev. 2 super aussieht. Technisch gesehen hat sich ansonsten nichts geändert, es ist der gleiche KingKorg, der als DSP-basierter VA-Synthesizer analoge Synthesizer emuliert und dabei hervorragend klingt und sehr, sehr einfach zu bedienen ist.

Im Live-Setup der Concert & Dialogue-Tour konnte der KingKorg nicht immer zum Einsatz kommen, was dann aber am knappen Platz der jeweiligen Location lag. Denn grundsätzlich passt der KingKorg auch als VA-Synth hervorragend in die Runde der ansonsten ausschließlich analogen Synthesizer, denn sein Bedienkonzept ist wie bei Minilogue und Monologue auf einfache und intuitive Handhabung getrimmt.

Auch als VA-Synth passt der KingKorg hervorragend in die Runde der ansonsten ausschließlich analogen Synthesizer

Wie bei vielen Korg Synthesizern steht der schnelle Zugriff auf den Sound beim Spielen im Vordergrund. Der KingKorg ist ein toller Synthesizer, an dem Einsteiger lange Freude haben. Ebenso ist er für Profi-Keyboarder eine echte Empfehlung, wenn ein flexibler Synth für live geschraubte Sounds gefragt ist. Bei den zahlreichen Oszillator-Modi, 18 Filter-Typen, Vocoder, Effekten etc. kann man sich Sound-technisch so richtig austoben. Die Basis des KingKorg ist die Klangerzeugung des Korg Radias – und das heißt: guter Sound!

KingKorg Black

 

Virtuell vs. Echt-Analog

Momentan erfahren vor allem echt analoge Synthesizer eine Renaissance – der aktuellen Entwicklung hat Korg einiges beigetragen – angefangen vom kleinen Monotron über den Korg MS-20 mini oder ARP Odyssey als miniaturisierte Neuauflagen bis hin zu den modernen Analog-Synthesizern Korg Minilogue und Korg Monologue.

Virtuell analoge Synthesizer, Instrumente also, die die analogen Schaltkreise auf digitale Weise emulieren, sind aufgrund der vielen Echt-Analogen ein wenig in den Hintergrund getreten. Sie sind schließlich auch eine Simulation und nicht „echt“ in dem Sinne. Aber das ist sicher eine sehr verkürzte Darstellung, denn virtuell analoge Synthis haben ein ganz anderes Leistungsspektrum als die – zumeist monofonen – Analog-Synthis. Möchte man z.B. Sounds mit hoher Polyfonie spielen, wird das bei den echt-analogen Synthesizern auch gleich zu einer teuren Angelegenheit. Da ist man mit einem 4fach polyfonen Minilogue schon super günstig am Start. Generell ist im direkten Vergleich ein Pad-Sound aus dem Korg Minilogue im Detail betrachtet kräftiger, lebhafter und plastischer als das Analog-Modeling.

KingKorg Black: Viel Sound zum Einsteigerpreis

Der KingKorg ist daher schon mal eine preisgünstige Möglichkeit, um an polyfone Analog-Sounds zu gelangen – auch wenn sie per Analog Modeling gemacht sind. Vor allem die hohe Polyfonie des King Korg ermöglicht es, fette Layer-Sounds zu schichten – außerdem gibt es noch einen toll klingenden Vocoder, integrierte Effekte und so einige andere spezielle Details in der Klangerzeugung.

Wer sich zum ersten Mal einen Synthesizer im traditionellen Analog-Design zulegen will, sollte sich den KingKorg einmal genau anhören. Der Sound überzeugt, und beim Antesten lohnt es sich übrigens, nicht nur die 100 Factory-Presets durchzuspielen, sondern selber an den Reglern zu schrauben. Denn das gestaltet sich beim KingKorg dank seines klaren Bedienkonzepts sehr einfach und intuitiv.

Klassische Subtraktive Synthese … und viel mehr!

Mit nur wenigen Reglern gewährt der KingKorg den Zugriff auf deutlich mehr Parameter als man beim ersten Hinschauen vermutet. Er besitzt drei Oszillatoren und kann zwei Timbres gleichzeitig wiedergeben. Die Zuordnung der Regler beim Editieren der Sounds erfolgt den jeweiligen Select-Tastern. Möchte man also eine Änderung an Oszillator 2 vornehmen, dann wählt man diesen an und kann mit Type, Tune und Control die Wellenform, die Tonhöhe und Lautstärke einstellen.

Mit der hohen Polyfonie gelingen mit dem KingKorg wunderbar dichte Layer-Sounds

Auch wenn der Korg Minilogue im Concert&Dialogue-Setup mehr als genug an polyfonen Sounds, Synth-FX und Sequenzer-Sounds liefert, so kann der KingKorg als alternative Farbe das Klanggeschehen bereichern. Mit der hohen Polyfonie gelingen mit dem KingKorg wunderbar dichte Layer-Sounds, die richtig was wegschieben. Ganz schön fett kann der KingKorg mit seinen Analog-Modeling-Sounds klingen. Außerdem lassen sich die Effekte wahlweise nur einem Layer-Timbre zuweisen oder in unterschiedlichen Effektanteilen den Timbres hinzu mischen. So etwas geht mit dem Minilogue dann z.B. nicht – hier bekommt man dafür mehr Direktheit im Sound – einer der Gründe, warum sich beide Synthesizer klanglich sogar sehr gut ergänzen.

Dann sollte man nicht den gut klingenden Vocoder vergessen, den der KingKorg ja auch noch beinhaltet. Damit gelingen tolle atmosphärische Flächen, aber auch sehr eigen klingende Grooves, mit denen man spontan Loops aufnehmen möchte. Daher habe ich den KingKorg über einen Mini-Submixer gemeinsam mit dem Minilogue auf das KAOSS Pad KP3+ geroutet, da ich die Sounds mit dem Looper aufnehmen, und zusätzlich natürlich auch von den abgefahrenen dynamischen Effekten des KAOSS Pad profitieren möchte.

Digitale Synth-Sounds mit KingKorg

Die Oszillatoren bieten gleich vier verschiedene Modes – Analog DWGS, PCM und Vocoder. Damit finden sich im KingKorg 40 Jahre Synthesizer History von Korg wieder! Angefangen bei den analogen Synthesizern wie MS20 und dem Vocoder VC-1 über den digitalen Synthesizer DW-8000 bis zu einer kleinen (aber feinen) Auswahl an Sample-Sounds aus den Korg Workstations. Der KingKorg ist dabei kein Workstation-Ersatz. Im Fokus stehen Sounds, die man als Keyboarder eben auch mal braucht, um einen Gig oder eine Band-Probe über die Bühne zu bringen: Ein paar Pianos, Orgeln, String- und Brass-Sounds.

Der Schwerpunkt liegt ganz klar auf Synthesizer-Sounds, und zwar analoge und digitale. In den 80ern brachte Korg mit dem DW8000 einen echten Hit heraus, kombinierte er doch digitale Wellenformen mit klassischen analogen Filtern. So etwas war bis zu dem Zeitpunkt weitaus teureren Instrumenten wie z.B. PPG Wave vorbehalten. Auch wenn der PPG Wave mit seiner Wavetable-Synthese natürlich etwas ganz anderes war, der Korg DW8000 war damals für mich schon so etwas wie ein PPG-Ersatz light – vor allem einer, den man sich leisten konnte! Denn das Budget wollte zu dieser Zeit wohl verteilt sein für MIDI-Sequenzer, Mischpult, Effektgeräte sowie möglichst viele verschiedene Synthesizer und Sound-Module.

Außerdem gab es für den DW-8000 es damals eine Expansion mit „echten“ Wellenformen aus dem PPG Wave. Zwar ohne die Möglichkeit des PPG Wave 2.3, die Wavetables zu morphen, aber damit war der DW8000 eine wirklich große Sache!

Der KingKorg besitzt sehr interessante digitale Wellenformen – alterierte Sinus- und und Saw-Waves sowie inharmonische Spektren. Wenn man die mit den Filtern formt und über die Patches die Control-Paramter auf LFO und/oder die Hüllkurven routet – das klingt wie Subtraktive Synthese auf Amphetamin! Es entstehen hybride und futuristische Klangwelten, hauchige und röchelnde Soundscapes mit brillanten Obertonstrukturen, aus dem Arpeggiator sprudeln glitzernde Sequenzen – klangbildlich gesprochen ein digitales Schaumbad in 80er Neonfarben.

Wellenform-Zirkus und Filter-Paradies

Betrachtet man allein die Analog-Struktur des KingKorg, zeigt sich sein breites Leistungsspektrum gegenüber echt-analogen Synthesizern. Eine so große klangliche Flexibilität mit analogen Schaltkreisen zu realisieren, würde einen immensen Aufwand darstellen, den heute wohl kaum jemand zu bezahlen bereit wäre. Die Oszillator-Modes ermöglichen neben Sägezahn & Co. Frequenz-, Cross- und Ringmodulation, Noise mit Resonanz-Bandpass-Filtern, White-, Pink und Blue-Noise. Dann 18 verschiedene Filtertypen mit Lowpass, Highpass, Bandpass in jeweils vielen verschiedenen Charakteristiken. Mit dem KingKorg Sounds zu entwickeln macht wirklich riesigen Spaß, denn die gebotenen Zutaten klingen ziemlich gut. Neben zwei LFOs und Hüllkurven gibt es dann als besonderen Clou noch die sechs Patches – eine Modulationsmatrix, die die Modulationsquellen mit den Synthese- und Effektparametern verbindet, um dynamische Klangänderungen zu steuern. So kann man die Ringmodulation per Envelope und Joystick steuern oder etwa den Reverb mit einer Rechteckwelle aus dem LFO gaten und, und, und… man ist doch überrascht, wie viel der KingKorg kann!