Während der Korg Minilogue mit einem internen Analog Delay ausgestattet ist, ist der Arp Odyssey ganz und gar puristisch aufgebaut. Der Arp also – Ehre, wem Ehre gebührt – sollte in unserem Live-Setup der Concert & Dialogue Tour natürlich auch Effekte bekommen, möglichst authentische! Aber ein Tape-Delay oder ein Federhallgerät mit auf Tour zu nehmen, fanden wir doch etwas aufwendig, auch wenn es sehr gute aktuelle Geräte gibt wie etwa das Spring-Reverb von Vermona, das hervorragend klingt. Daher stellten wir die beiden Stompboxes von Eventide hinzu, die auch im Studio ansonsten zu den immer eingesetzten Soundtools gehören – die Dinger klingen einfach saumäßig gut. Außerdem sind sie sehr flexibel, und die Emulationen von Tape Delays beim TimeFactor sowie die Spring Reverbs beim Space passten für das Setup einfach perfekt.

Aber bei TimeFactor und Space, die beide hinter dem Arp Odyssey hängen, kommt für mich noch ein anderer wichtiger Faktor hinzu: Beide Effektgeräte haben viele Regler, mit denen man direkt auf den Sound Einfluss nehmen kann – und genau das passt zu unseren Live-Sessions optimal: Die Effekte sind speicherbar und maximal flexibel in der Klanggestaltung. In Jokers Setup befindet sich ein Eventide H9 – er basiert auf den gleichen Effekt-Algorithmen, ist aber konzeptionell anders ausgerichtet. Der H9 bietet nicht so zahlreihe Regler wie die Stompboxen, aber er kann dafür mit vielen verschiedenen Eventide Algorithmen gefüttert werden. Und auch hier kommt man in den Genuss ausgezeichnet klingender Effekt-Sounds, die qualitativ so manches teure Studiogerät blass aussehen lassen.

Spaaaaace!!!!!

Auch wenn wir bei den Korg Concert & Dialogue Sessions eher klassische Delays und Reverbs einsetzen, kann ich der Versuchung nicht widerstehen, auch die sensationellen Reverbs vom Eventide Space zu nutzen. Aber trotzdem: Wenn man das Sample & Hold des Arp durch den Federhall scheppern lässt, das ist einfach grandios – und außerdem sehr stilecht. Der Arp selber klingt schon wie aus einer anderen Zeit, mit den Effekten wird’s dann eben richtig authentisch.

Eventide Space

Außerdem kann Space völlig verrückte Reverbs erzeugen, die man so noch nicht gehört hat. Wer ausdrücklich neutrale und „natürlich“ klingende Reverbs sucht, ist bei diesem besonderen Effektgerät vielleicht weniger gut aufgehoben. Das MangleReverb etwa enthält Verzerrungen in den verhallten Delay-Rückwürfen, der Blackhole-Reverb erzeugt einen unglaublich tiefen und weiten synthetisch anmutenden Hall. Einfach verrückt, was im Klang passiert, wenn man den Gravity-Paramter in den negativen Bereich schraubt. Mit den Drehreglern kann man ständig die Effekte in Echtzeit manipulieren, wobei selbst die Artefakte fantastisch klingen können. Die Reverbs werden zu einem völlig neuen Aspekt der dynamischen Klanggestaltung.

Was an den Eventide Stompboxen begeistert, ist die exzellente Klangqualität der Effekt-Programme. Die Algorithmen stammen nun mal aus den beliebtesten Effektprozessoren von Eventide, das hört man. Außerdem sind die Teile echte Schrauberkisten. Besonders beim Space erlebt man seine helle Freude, wenn man einen Hallraum mit den Potis aufreißt und akustisch mitverfolgen kann, wie die Reflexionen immer weiter auseinander driften und einen kleinen Sound in ein riesige, fast endlose Wolke aus dichtem Hall morphen lassen. Da es sich hier um rekursiven Hall auf Basis von Delay-Netzwerken handelt, erzeugen die Modulationen darin einen unheimlich schönen, harmonisch klingenden Reverb-Sound.

Man kann den Spaß übrigens auch in der DAW erleben – das Plug-in Blachkhole von Eventide beinhaltet eben nur diesen einzigen Reverb-Algorithmus, aber der macht wirklich etwas her. Ein Produktionstool, das ich ebenfalls häufig einsetze.

Eventide TimeFactor

Eventide TimeFactor

Nicht weniger spektakulär als der Eventide Space ist der TimeFactor – das Delay-Gerät der Stompbox-Serie. Auch TimeFactor beherrscht sehr verschiedene Delays – vom cleanen Digital Delay mit 3 Sekunden Stereo-Delay über Tape Delay und analoges Vintage Delay wie z. B. das Memory Man von Electro Harmonix. Die Emulationen klingen ninct nur sehr gut, sie lassen sich auch wie die alten Analog Delays in Echtzeit schrauben und erzeugen entsprechend Glitches und Echo-Feedback-Desaster wie die alten Effekgeräte. SciFi-Echos im Stile der 60er, Slapback-Echos, Resonator-Delays, timing-basierte Groove Delays – alles kein Problem.

Bei der Korg Concert & Dialogue Tour ging es vor allem darum, dem Arp Odyssey authentische Delay-Effekte zu geben, ganz so wie man ich auch in den 70ern gespielt hätte. Ich nutze hier ausschließlich das Tape Delay, das via MIDI-Clock gesynct die Einstellung der Delay-Zeiten in Takteinheiten erlaubt. Das ist natürlich auch Vorteil, den die digitale Emulation der analogen Delay/Echo-Geräte bietet. Während einer Live-Performance die Delay-Time in Millisekunden zu justieren, ist einfach lästig. Im Sync-Betrieb stellt man ein Delay ein, das musikalisch irgendwie passt und kann sicher sein, dass es immer im Timing ist.

Da der Eventide Time-Factor voll stereo ausgelegt ist, nutze ich einen Kanal für den Arp Odyssey, über den zweiten Kanal wird der Korg Monologue mit Delay versorgt. Je nach Intensität des Effektes leaken die Kanäle etwas, aber das fällt in der Live-Performance eigentlich nicht ins Gewicht. Bei manchen Solo-Sounds kann ich dem Korg Monologue so etwas Dimension geben – etwas Delay braucht man dafür nun mal. Ansonsten ist auch hier der Effekt selbstverständlich Clock-synchron, sodass bei manchen Sequenzen Groove-Delays zum Einsatz kommen – auch das ist ein wichtiges Ausdrucksmittel, das bei manchen Sequenzen einfach dazugehört wie ich finde.