Der ARP Odyssey spielt eine wichtige Rolle bei unserer Concert+Dialogue-Tour. Er ist auf den ersten Blick ein klassischer monofoner Kompaktsynthesizer nach dem Vorbild des damals extrem erfolgreichen Minimoog: 2 Oszillatoren, 24-dB-Lowpass-Filter, LFO, Envelopes… die üblichen Zutaten für klassische Synthesizer Sounds eben. Aber der Odyssey kann total anders klingen. Um das ganz grob zu differenzieren: Während man mit dem Minimoog gut Melodien, Basslinien und Solo-Sounds spielt, eignet sich der Arp Odyssey darüber hinaus ausgezeichnet für experimentelle und schräge Sounds. Dieser Analog Synthesizer hat es in sich!

Arp Odyssey Revision 2

Arp Odyssey inspiriert

Der ARP Odyssey geht deutlich weiter in die Richtung einer Klangfarbenmusik. Inharmonische Ringmodulator-Sounds, nicht immer fette und breite Klänge, die alles andere wegschieben, sondern auch mal kleine Sounds, die fast sogar schon richtig „cheesy“ klingen können. Aber auch Klänge, die eher an ein Modular-Synthesizer erinnern, lassen sich mit dem ARP Odyssey performen. Jean Michaels Jarres Oxygene und Stockhausends Weltall-Sounds liegen hier 2-3 Reglerschwenks voneinander entfernt. Und selbst den bizarren Klangspektren eines Buchla Synthesizers kann man sich mit einem ARP Odyssey durchaus annähern. Mit einem Kompaktsynthesizer von Moog geht so etwas nicht.

2 Oszillatoren, 1 Filter – unendlich viele Klangfarben

Der ARP Odyssey ist deutlich flexibler als der Minimoog. Während letzterer feste Einstellungen der Wellenformen anbietet, ist man beim ARP Odyssey überhaupt nicht festgelegt. Wenn man zunächst auch denken mag, dass mit Sägezahn und Rechteck ja eigentlich weniger Wellenformen vorhanden sein müssten, beim Rechteck lässt sich die Pulsweite variieren und sogar modulieren. Dann gibt es Oszillator-Sync, was wiederum eine Vielzahl an Obertonspektren hervorbringt. Dann noch die Möglichkeit von Ringmodulation und FM, Sync, Sample & Hold… da geht so einiges mehr.

Klang performen – das Konzept des Odyssey

Viele Leute, die sich zum ersten mal an einem Odyssey setzen, haben schnell den Sound bis zur Unkenntlichkeit verstellt, den Synth ganz verstummen lassen oder einen Dauerton erzeugt. Selbstverständlich ist das Gerät nicht kaputt, aber genau das passiert, wenn man ohne genau zu wissen, was man tut, einfach alle Schieberegler nach oben schiebt.

Arp Odyssey Filter Revisions

Das Bedienkonzept des Odyssey ist nicht wie beim Minimoog – und den meisten anderen Synthis – von links nach rechts aufgebaut. Der Regler ganz links ist nicht der Lautstärkeregler, sondern Portamento. Der VCA-Regler irgendwo rechts oben macht den Synthesizer u.U. lauter, aber es entsteht ein Dauerton. Das ist kein Fehler, sondern ein Feature und gut für den Fall, wenn man Drone-Sounds machen will – dafür braucht man bei anderen Synth immer wieder ein Stück Gaffa-Tape – also: wo anfangen? Man beginnt mit einem Init-Patch, wo der Synth mit einem Oszillator einen einfachen, spielbaren Klang erzeugt.

Zentrales Bedienelement des ARP Odyssey ist der Mixer mitten im Bedienfeld.

Das etwas andere Bedienkonzept ist sicher auch der Grund dafür, dass der Odyssey einen zu so anders klingenden Sounds inspiriert. Das wichtigste Element hat man eigentlich gleich vor der Nase: die Mixer-Sektion, und die hat es schon mal in sich. Von links nach rechts aufgereiht finden wir hier Regler, die die Lautstärken von Ringmodulator/Noise, OSC 1 und OSC 2 steuern. Die weiteren Regler steuern die Modulation der Filter Cutoff Frequenz. Als Modulationsquellen hätten wir da die beiden Envelopes, den LFO, Sample & Hold-Mixer, Pedal (für ein externes Expression-Pedal). Die Modulationen lassen sich dann jeweils auf Filter Cutoff und die beiden Oszillatoren in der Intensität regeln, wobei man sich manchmal entscheiden kann zwischen S&H-Mixer/Pedal oder LFO sowie S&H oder EG.

ARP Odyssey Mixer

Das ist schon mal eine Menge Zeug, wobei über die Umschalter jeweils zwei Zustände alternativ gewählt werden können. Ungewöhnlich ist, die Umschaltung der Oszillator-Wellenformen von Sägezahn auf Rechteck hier im Mixer zu finden – eigentlich würde man das in der Oszillator-Sektion erwarten. Ebenso kann man sich entscheiden, ob man den Ringmodulator oder den Noise-Generator in den Mix drehen will. Es macht aber durchaus Sinn, diese Funktionen an zentraler Stelle wie dem Mixer vorzufinden, denn so hat man bei einer Änderung von einer Wellenform schnell die Lautstärken im Zugriff. Praktisch dabei ist außerdem, dass die Filtersektion unmittelbar oberhalb des Mixers ist.

Oszillatoren – am besten immer mit Stimmgerät

Es ist nicht etwa so, dass der Synthesizer keine stimmstabilen Oszillatoren hätte, der neue ARP Odyssey ist sogar sehr stimmstabil. Aber eine genaue Tonhöhe der Oszillatoren einzustellen ist schwierig, wenn man kein absolutes Gehör hat. Denn es gibt keine einrastenden Oktavwahlschalter wie bei anderen Synthesizern. Das kleine Problem nervt zuweilen und ist schnell gelöst mit einem am Kopfhörer-Anschluss eingesteckten Insert-Kabel: eine Kabelpeitsche mit Stereostecker auf 2 x mono. Eine Mono-Klinke geht ans Mischpult, die andere ans Stimmgerät.

ARP Odyssey plus Tuner und Splitkabel

Klangfarben spielen – der ARP Odyssey ist ein Performance-Synthesizer

Wie es bei den Synthesizern der 70er Jahre Standard war besitzt der ARP Odyssey keine Sound-Speicher – what you see is what you hear! Das ist etwas umständlich, aber man braucht so auch keine unerwarteten Dinge wie Parametersprünge beim Berühren der Regler zu fürchten – wie man sie bei programmierbaren Synthesizern immer wieder erlebt. Dennoch: Presets gibt’s nicht, man muss also jeden Sound selber schrauben. Und das macht mit dem ARP Odyssey wahnsinnigen Spaß, wenn man erst einmal entdeckt hat, wie vielfältig man ein musikalisches Motiv während der Performance variieren kann. Ein schon sehr cleverer Kompromiss zwischen Modular und Kompakt-Synthesizer. Der Begriff „Modular“ ist hier technisch gesehen natürlich nicht richtig, aber manche Sounds aus dem ARP Odyssey würde man spontan dieser Kategorie zuordnen – ganz schön komplex und abgefahren.

70ies Revival – Retro-Sounds mit dem ARP Odyssey

Es gibt unzählige Beispiele von Musikstücken, in denen ein ARP Odyssey – oder zumindest ein Synthesizer der damaligen ARP-Familie zum Einsatz kam. Joe Zawinul spielte z.B. den ARP 2600, bei den Lead Sounds von Genesis ist oft ein ARP Axxe zu hören – diese Klänge kann man natürlich sehr authentisch mit dem ARP Odyssey nachempfinden, der in etwa die Mitte zwischen diesen beiden berühmten ARP-Modelle darstellen könnte.

Arp Odyssey und SQ-1

 

Arp Odyssey und Korg SQ-1

Der Arp Odyssey kann im LFO-Trigger-Mode auch Sequenzer-ähnliche Notenfolgen erzeugen – interessant besonders in Verbindung mit der Sample&Hold-Sektion. Möchte man aber ganz klassisch mit einem Step-Sequenzer musikalische Motive entwickeln, ist der Korg SQ-1 eine gute Wahl. Bei den Concert & Dialogue-Sessions kommt dieses Gespann immer zum Einsatz, und den SQ-1 nutze ich, um schnell Grooves mit dem Arp zu entwicklen. Der SQ-1 hängt dabei natürlich im Sync-Verbund mit allen anderen Geräten in unserem Live-Setup.

Der SQ-1 steuert Trigger und Tonhöhe des Arp, was über den MIDI-Ausgang des SQ-1 geht. Außerdem steuert der SQ-1 die Cutoff Frequenz des Filters. Um Letzteres zu erreichen verbinde ich den CV-B-Out mit dem Pedal-Input des Arp Odyssey, der sich in der Mixer-Sektion mit dem Schalter „S/H-Mixer Or Pedal“ auf das Filter routen lässt.

Arp Odyssey und Effekte

 

Arp Odyssey und Effekte

So wie das Original in den 70er Jahren besitzt auch der neue Arp Odyssey keine integrierten Effekte. Zu vielen analogen Synthesizer-Sounds – insbesondere Lead- und FX-Sounds – gehören aber Effekte. Ganz klassisch haben wir daher das Setup erweitert mit Delay/Echo und Reverb-Effekten. Sehr gut klingende Emulationen solcher Retro-Effekte liefern die Eventide Stompboxen TimeFactor und Space…